Lärmstudie: "Lärm macht krank"

Professor Eberhard Greiser weist in einer Studie nach: Lärm macht krank - Fluglärm-Synopse ist nicht haltbar. Ab Oktober 2011 wird es erheblich mehr unerträglichen Lärm geben. !!

Professor Eberhard Greiser weist in einer Studie nach:
Lärm macht krank - Fluglärm-Synopse ist nicht haltbar


Die Erforschung des Lärms hatte bisher keinen großen Stellenwert.
Es gibt kaum aussagekräftige Untersuchungen, welche die Auswirkung von Fluglärm auf die Gesundheit des Menschen intensiv durchleuchtet haben. Seit einigen Monaten liegt jedoch ein Gutachten vor, das eindeutig nachweist: Fluglärm macht krank. „Die Fluglärm-Synopse ist in den wesentlichen Punkten frei erfunden.“ Mit dieser zugespitzten Formulierung fordert Professor Eberhard Greiser, dass bei der Beurteilung des Lärms, dem die Anwohner von Flughäfen ausgesetzt sind, künftig der aktuelle Stand der Forschung berücksichtigt werden muss.

Die Untersuchungen der Autoren Griefahn, Jansen, Scheuch und Spreng aus dem Jahr 2004, die so genannte Fluglärm-Synopse und der Forschungsbericht des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zu Nachtfluglärmwirkungen (DLR-Studie) sind wenig hilfreich, wenn es darum geht, Lärm-Grenzwerte und Regeln für die Beschränkung des Flugverkehrs festzulegen. Diese Untersuchungen sollten nicht nur die Interessen der Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften berücksichtigen, sondern auch die Situation der vom Fluglärm Betroffenen.

Die Untersuchung von Professor Greiser stützt sich auf die Daten von 809 379 Versicherten von sieben gesetzlichen Krankenkassen mit Hauptwohnsitz in der Stadt Köln, im Rhein-Sieg-Kreis und im Rheinisch-Bergischen Kreis stützt. Ziel der Studie war es, mit Hilfe dieser Daten den Einfluss von Fluglärm auf die Verschreibung bestimmter Medikamente zu untersuchen. „Dabei hat sich gezeigt, dass sich sowohl die Verordnungshäufigkeit als auch die Verordnungsmenge relevanter Arzneimittel in Abhängigkeit von der Lärmintensität erhöht“, so Professor Greisler.

In dieser Untersuchung wurden dabei Verschreibungen von Medikamenten gegen Bluthochdruck, von Arzneimitteln zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen, von Tranquilizern, Beruhigungs- und Schlafmitteln. „Bei allen diesen Mitteln steigen Häufigkeit und Menge der Verordnungen mit der Intensität des Fluglärms, dem die Menschen ausgesetzt sind“, hat Eberhard Greiser beobachtet. Dieser Anstieg lasse sich statistisch unabhängig von anderen eventuell maßgeblichen Faktoren – wie beispielsweise der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht – nachweisen. Außerdem konnte der Wissenschaftler bei seiner Untersuchung beobachten, dass die schädlichen Wirkungen des Fluglärms sich bereits bei einer weitaus geringeren Lärmintensität bemerkbar machen, als in der Fluglärm-Synopse und der DLR-Studie angenommen. „Bei 48 dB (A) sehen wir schon maximale Effekte. Das ist ein Pegel, den die Autoren der anderen Studien noch für völligvertretbar halten.“
 
Das Ergebnis ist eindeutig. Je höher die Lärmbelastung vom Fluglärm oder von anderen Verkehrsträgern ist, urm das Immunsystem schwäche, hätten sich in Flughafenregionen auch die Krebserkrankungen erhöht.

Die Studie, die von sechs Professoren begleitet wurde, untersuchte Bürger, die mit Fluglärmdauerschallpegeln zwischen 45 und 60 Dezibel belastet sind und wertete von Krankenkassenmitgliedern insgesamt 1,8 Millionen Versicherungsjahre aus. Eine derart umfassende Studie ist in Deutschland bisher einmalig. Ihre Ergebnisse sind handfest, denn sie korrelieren mit Ergebnissen, die Gutachter zum Beispiel in den Niederlanden und in Skandinavien bei ähnlichen Untersuchungen gewonnen haben.
Frauen leiden nach dieser Studie mehr unter Fluglärm als Männer, was jedoch leicht zu erklären ist. Die Männer verlassen tagsüber das Haus und gehen andernorts einem Beruf nach, während viele Frauen, die nicht berufstätig sind, den ganzen Tag über dem Lärm ausgesetzt sind. Außerdem gehen Männer seltener zum Arzt, weshalb von ihnen weniger Daten vorliegen.

Tierversuche haben laut Greiser gezeigt, dass der Lärm „das Immunsystem in die Knie zwingt“. Deshalb seien verstärkt Allergien und Krebserkrankungen die Folge. Studien wie eine 2004 erstellte Schlafstudie oder die Fluglärm-Synopse von 2004, die in der Anhörung zum Flughafenausbau eine Rolle spielten, sind laut Greiser in großen Teilen frei erfunden oder nicht repräsentativ. An der Schlafstudie zum Beispiel hätten lediglich 61 Probanten teilgenommen, alle von ihnen kerngesund. „Wir müssen mit den Ergebnissen dieser Studie noch viel mehr wuchern“ forderte der Professor die Ausbaugegner auf. Es müsse dringend weiter geforscht werden um nachzuweisen, dass ein höherer Arzneimittelverbrauch auch mit mehr Krankheiten im Zusammenhang stehe.

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