Über den Tellerand 1:

Lea Röhrich aus Trebur lebt seit September in Kenia

Die neue Gelassenheit in Afrika

Engagement – Lea Röhrich (Tochter der langjährigen Naturfreundin Steffi Söhrich) aus Trebur lebt seit September in Kenia

Nach vier Monaten kann ich sagen: „Ich bin angekommen in Kenia an der Rudolf Steiner School Mbagathi.“ Vor mir liegen acht weitere wundervolle Monate meines Freiwilligendienstes.
Die Schule mit 300 Schülern ist zu einem echten Zuhause geworden. Weil ich auf dem Schulgelände in einer Hütte lebe, habe ich viel Kontakt zu den Schülern, vor allem zu den Internatskindern. Die meisten Schüler haben Sponsoren im Ausland, nur dadurch ist es ihnen möglich, die Rudolf Steiner School zu besuchen.
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Lea Röhrich schreibt in ihrem Blog www.leainkenya.wordpress.com über ihre Erlebnisse in Kenia.

Auch meine Arbeit macht Fortschritte: Im ersten Trimester habe ich vor allem in der Bücherei gearbeitet, im Handarbeitsunterricht geholfen und die Lehrer der unteren Klassen unterstützt. Abends habe ich viel Zeit im Internat verbracht, mich mit den Internatseltern und Schülern ausgetauscht und viel über die Kultur gelernt. Im jetzt gestarteten Trimester habe ich zusätzlich zwei neue Projekte: Eine Schülerzeitung werde ich anfertigen und eine Flötenklasse übernehmen.

Auch in den mir anfangs so beschwerlich vorkommenden Alltag habe ich mich eingelebt. Die „Duschen“ mit einem Eimer, Handwäsche und Stromausfälle nehme ich jetzt mit einer neuen Gelassenheit hin, die ich in Deutschland noch nicht hatte. Geduld und Durchhaltevermögen braucht man, vor allem wenn es um bürokratische Angelegenheiten geht.


So wohnt man in Kenia: In der Rudolf-Steiner-Schule 20 Kilometer nördlich von Nairobi lebt Lea Röhrich. Foto: Lea Röhrich

Das Thema Hautfarbe hat mich in den ersten Monaten stark beschäftigt: Mir war klar, dass ich heraussteche, aber dass die Hautfarbe eine solch große Rolle spielt, habe ich mir nicht vorstellen können. Weiß zu sein bedeutet erst einmal primär als reich zu gelten. Von den Kindern in der Stadt werde ich nur „mzungu“ (Europäer) genannt, und manchmal fühlt es sich einfach komisch an, die einzige Weiße zu sein in Stadtvierteln, die ich mit Lehrern besucht habe.
Da ich noch bis Ende Januar die einzige Freiwillige hier bin, lerne ich Kenia sehr intensiv kennen. Anfangs hatte ich kaum Kontakt zu anderen Europäern, die hier leben. Das hat sich mittlerweile geändert – und ich bin froh darüber, mich auch einmal austauschen zu können. Aber es war ja auch immer mein Traum, einmal in eine neue Kultur einzutauchen.
Denn die Gastfreundschaft ist etwas sehr besonderes: Es ist ein wunderbares Gefühl, so herzlich begrüßt und aufgenommen zu werden und immer wieder nach dem Leben in Deutschland gefragt zu werden. Ich habe gelernt, typische Gerichte zu kochen wie Chapati (Pfannkuchenähnliche Fladen, nur ohne Ei, dafür mit viel Öl) und Pilau (Gewürzreis mit Gemüse). Auch meine Kiswahili-Sprachkenntnisse machen Fortschritte. Ich will weiter lernen, denn es macht einen riesigen Unterschied: Wer als Weiße Kiswahili spricht, wird gleich ganz anders wahrgenommen und akzeptiert.

Nairobi ist eine riesige, laute und dreckige Stadt, die trotzdem interessante Straßen und Stadtviertel hat. Die Kontraste sind riesig, das war anfangs schockierend. Die Armut auf der einen Seite mit Slums, die nicht zu enden scheinen, und die Luxusvillen der oft weißen Oberschicht direkt gegenüber. Obwohl diese Viertel nebeneinander liegen, liegen doch Welten dazwischen.

Angekommen:
Lea Röhrich mit einigen ihrer Schüler in Kenia.
Foto: Lea Röhrich TREBUR/KENIA.

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