Flüchtlinge werden auch von den Naturfreunden unterstützt

Willkommenscafe seit 2015

Willkommenscafe

Seit November 2015 findet bei uns, den Rüsselsheimer Naturfreunden, regelmäßig ein sogenanntes Willkommenscafe für Geflüchtete im Naturfreundehaus statt.

Bei dem Kreis der regelmäßigen Besucher und Besucherinnen handelt es sich im Wesentlichen um Syrer meist aus der Gegend in und um Aleppo.
Aber es kommt auch eine junge Iranerin, eine Frau aus Eritrea, ein Algerier und ab und zu auch einige Äthiopier. Auch eine Frau
aus der Türkei, die nicht geflüchtet war, sondern der Liebe wegen nach Deutschland gekommen war und in ihrem Sprachkurs von uns erfahren hat ist uns herzlich willkommen.
Es hat sich ein Kreis von Menschen herausgebildet unterschiedlichen Glaubens (Muslime, kurdische Aleviten, Christen…) und Nationalitäten, die sich untereinander akzeptieren und respektieren.
Einige berichten dass dies in der Vergangenheit auch ihrer Heimat in Syrien kein Problem war.
Die Nachmittage werden genutzt um gemütlich zusammenzusitzen, sich in der inzwischen immer besser werdenden deutschen Sprache zu unterhalten.

Aber auch der gegenseitige Austausch ist wichtig, da viele inzwischen im gesamten Stadtgebiet verteilt wohnen und nicht mehr wie zu Anfang in den Unterkünften in der direkten Umgebung zusammen wohnen.
Mitunter können wir auch helfen mit den bürokratischen Anforderungen zurechtzukommen.
Da sind Anträge zu stellen, Fragebogen für das Jobcenter auszufüllen, Inhalte von Elternbriefen zu vermitteln, mit den Kindern Hausaufgaben zu machen.
Vor allem, wenn ein Wechsel der Kostenträger für den Lebensunterhalt ansteht sind viele bürokratische Komplikationen auch für uns oft nicht nachvollziehbar.
Es wird den Menschen nicht leicht gemacht, damit zurecht zu kommen.
Wenn der Aufenthaltsstatus geklärt ist und die Zuständigkeit vom Sozialamt in das Jobcenter wechselt, haben die Geflüchteten eigentlich keinen Anspruch mehr, in den Unterkünften zu wohnen und die Betreuung der Sozialarbeiter in
Anspruch zu nehmen. Sie gelten dann offiziell als Obdachlos und werden in die bisherige Bleibe wiedereingewiesen, weil sie keine Chance haben, eine Wohnung zu bekommen.

Es ändert sich für sie nichts außer Benachrichtigungen, Bewilligungen, Neuantragstellungen, die meist nicht verstanden werden.

Die Betreuer dürfen nicht mehr helfen und damit sind die Menschen auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Professionelle Hilfe wäre aber gerade dann notwendig wenn die Familien nachgezogen sind und entsprechende
Anträge zur Aufenthaltserlaubnis, Unterhalt und Integration der Kinder in Schule oder Kita erforderlich ist und Wohnungen gesucht werden müssen.

Rüsselsheim hat sicherlich im Vergleich zu anderen Städten und Regionen die Aufnahme von Flüchtlingen unter den gegebenen Verhältnissen hervorragend gelöst, aber die langfristigen Probleme im Alltag, machen es den Menschen
dennoch schwer anzukommen. Hier sind nur die mehr oder weniger formalen Dinge die dringend verbesserungswürdig sind genannt.

Ein ganz anderes Thema, dass wir sicherlich nicht an einem Nachmittag in der Woche angehen können, sind die psychischen Folgen der Entwurzelung und Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse.
In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wird auf unserer Internetseite unter der Rubrik Rückblicke / Flüchtlingshilfe berichtet.
 

Marion Loose

Galerie