Flüchtlinge werden auch von den Naturfreunden unterstützt

Willkommenscafe seit 2015 - "by the way" neue Struktur ab 2020 ...

Willkommenscafe

ab 2020: (2015-2019 siehe unten)

Willkommenskaffee für Geflüchtete bei den Naturfreunden.

Die Initiative der Naturfreunde geht nunmehr in das 5.Jahr. Was hat sich seitdem getan?

Ziel war es, einen Beitrag zum Ankommen und zur Integration in Deutschland zu leisten. Zunächst ging es darum, einen Begegnungsraum für Geflüchtete zu schaffen, der es ermöglichte, mit Rüsselsheimern und auch untereinander in Kontakt zu kommen. Wir holten die Menschen aus den Unterkünften, die dem Naturfreundehaus am nächsten waren ab, und das Angebot wurde dankbar und zahlreich angenommen. Es wurde die deutsche Sprache geübt, Anträge besprochen und ausgefüllt, gespielt und, soweit möglich, unterhielten wir uns einfach nur. Auch einzelne „Patenschaften“ wurden von Mitgliedern der Naturfreunde übernommen.

Die Besucherstruktur hatte sich in den folgenden Jahren immer wieder geändert. Waren am Anfang Menschen aus verschiedenen Ländern, vor allem Männer aber auch Familien da, entwickelte es sich später nach und nach zu einem Kreis von Frauen mit Kindern. Das hatte damit zu tun, dass nach und nach die Menschen in Sprach- und Integrationskursen vermittelt werden konnten oder auch Arbeitsplätze fanden. Die jüngeren Männer wurden in schulische Ausbildung oder Berufsausbildung vermittelt und fanden dann wohl altersentsprechende Kontakte. Frauen und Kinder waren nachgekommen und hielten sich gerne bei uns auf, um den Kindern Spielgelegenheiten zu bieten und Kontakte zu pflegen. Die Wohnsituation hatte sich inzwischen für alle geändert, sie leben nun teilweise in Mietwohnungen oder in Unterkünften über die Stadt verteilt, nicht mehr nur in Haßloch. Durch diese Verteilung erweiterte sich auch der Bekanntheitsgrad unseres Angebotes.

Bei unserem Fest in diesem Sommer, bei dem gemeinsam syrisch gekocht wurde, fanden sich ca 40 Personen ein, die alle zu unterschiedlichen Zeiten Besucher unserer Montage waren.

Inzwischen sieht es so aus, dass an den Montagen regelmäßig nur wenige unserer Freunde kommen können. Viele Männer sind in Arbeit, auch die nachgereisten Frauen haben inzwischen die Möglichkeit, Sprachkurse zu besuchen. Die Kinder sind in Kitas oder auch Schule inklusive Nachmittagsbetreuung. Das Angebot montags vorzuhalten, hat also nicht mehr so viel Sinn. Wir haben nach Gesprächen mit unseren treuesten Besuchern beschlossen, unsere Treffen im Winter 14- tägig auf Samstagnachmittag zu verschieben. So haben auch die Familien komplett die Möglichkeit mit uns Kontakt zu halten. Der Rhythmus ließe sich dann in den Frühjahr- und Sommermonaten erhöhen, wenn das Angebot gut wahrgenommen wird.

Derzeit finden unsere Treffen dann im Wechsel mit der Kindergruppe statt, an der sich ja auch die Kinder unserer Gäste beteiligen können. Zukünftig werden wir die Termine dann im Blättchen veröffentlichen. Da wir über Internet mit unseren Besuchern in Kontakt sind, erfahren sie die Termine direkt und können ihrerseits noch Interessierte Freunde mitbringen.

Vorgesehen sind bisher: 04.01.; 18.01. 01.02. 15.02.; 29.02.; 14.03.; und am Arbeitseinsatz am 28.03. können sich ebenfalls alle beteiligen.

2015 bis 2019:

Seit November 2015 findet bei uns, den Rüsselsheimer Naturfreunden, regelmäßig ein sogenanntes Willkommenscafe für Geflüchtete im Naturfreundehaus statt.

Bei dem Kreis der regelmäßigen Besucher und Besucherinnen handelt es sich im Wesentlichen um Syrer meist aus der Gegend in und um Aleppo.
Aber es kommt auch eine junge Iranerin, eine Frau aus Eritrea, ein Algerier und ab und zu auch einige Äthiopier. Auch eine Frau
aus der Türkei, die nicht geflüchtet war, sondern der Liebe wegen nach Deutschland gekommen war und in ihrem Sprachkurs von uns erfahren hat ist uns herzlich willkommen.
Es hat sich ein Kreis von Menschen herausgebildet unterschiedlichen Glaubens (Muslime, kurdische Aleviten, Christen…) und Nationalitäten, die sich untereinander akzeptieren und respektieren.
Einige berichten dass dies in der Vergangenheit auch ihrer Heimat in Syrien kein Problem war.
Die Nachmittage werden genutzt um gemütlich zusammenzusitzen, sich in der inzwischen immer besser werdenden deutschen Sprache zu unterhalten.

Aber auch der gegenseitige Austausch ist wichtig, da viele inzwischen im gesamten Stadtgebiet verteilt wohnen und nicht mehr wie zu Anfang in den Unterkünften in der direkten Umgebung zusammen wohnen.
Mitunter können wir auch helfen mit den bürokratischen Anforderungen zurechtzukommen.
Da sind Anträge zu stellen, Fragebogen für das Jobcenter auszufüllen, Inhalte von Elternbriefen zu vermitteln, mit den Kindern Hausaufgaben zu machen.
Vor allem, wenn ein Wechsel der Kostenträger für den Lebensunterhalt ansteht sind viele bürokratische Komplikationen auch für uns oft nicht nachvollziehbar.
Es wird den Menschen nicht leicht gemacht, damit zurecht zu kommen.
Wenn der Aufenthaltsstatus geklärt ist und die Zuständigkeit vom Sozialamt in das Jobcenter wechselt, haben die Geflüchteten eigentlich keinen Anspruch mehr, in den Unterkünften zu wohnen und die Betreuung der Sozialarbeiter in
Anspruch zu nehmen. Sie gelten dann offiziell als Obdachlos und werden in die bisherige Bleibe wiedereingewiesen, weil sie keine Chance haben, eine Wohnung zu bekommen.

Es ändert sich für sie nichts außer Benachrichtigungen, Bewilligungen, Neuantragstellungen, die meist nicht verstanden werden.

Die Betreuer dürfen nicht mehr helfen und damit sind die Menschen auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Professionelle Hilfe wäre aber gerade dann notwendig wenn die Familien nachgezogen sind und entsprechende
Anträge zur Aufenthaltserlaubnis, Unterhalt und Integration der Kinder in Schule oder Kita erforderlich ist und Wohnungen gesucht werden müssen.

Rüsselsheim hat sicherlich im Vergleich zu anderen Städten und Regionen die Aufnahme von Flüchtlingen unter den gegebenen Verhältnissen hervorragend gelöst, aber die langfristigen Probleme im Alltag, machen es den Menschen
dennoch schwer anzukommen. Hier sind nur die mehr oder weniger formalen Dinge die dringend verbesserungswürdig sind genannt.

Ein ganz anderes Thema, dass wir sicherlich nicht an einem Nachmittag in der Woche angehen können, sind die psychischen Folgen der Entwurzelung und Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse.
In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wird auf unserer Internetseite unter der Rubrik Rückblicke / Flüchtlingshilfe berichtet.
 

Marion Loose

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